
Die Abwrackprämie soll 2009 zu 300.000 Neuwagenkäufen in Deutschland führen. Als Konjunkturpaket um der “notleidende” Automobilwirtschaft unter die Arme zu greifen. Einen großen Coup haben die Automobillobbyisten in Berlin da gelandet.
So soll die neuerdings euphemistisch “Umweltprämie” genannte Subvention funktionieren: Wer ein mindestens neun Jahre altes Auto, das mindestens ein ganzes Jahr auf den Halter zugelassen war, verschrotten lässt und daraufhin einen Neuwagen kauft, kann 2500 €uro Prämie beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragen. Dabei ist es vollkommen egal, ob das Fahrzeug ein kaum gefahrenes Liebhaberstück aus einer klimatisierten Garage oder ein total zerstörter und zerrosteter Berg Schimmel ist. Auto in die Presse und Geld abholen.
Was daran schlecht ist? Einmal natürlich, dass die veranschlagten 1,5 Milliarden €uro Kosten – wie gerade üblich – einfach mit Neuverschuldung bezahlt werden. Der Schuldenberg Deutschlands wächst unaufhaltsam in schwindelerregende Höhen. Die Neuwagen von heute werden also mit den Steuern bezahlt, die unsere Kinder erst noch verdienen müssen. Generationengerechtigkeit sieht anders aus. Zweitens, weil diese unüberlegte Konjunkturaktion zu einer gigantischen Realwertvernichtung führt. Autos werden lange vor ihrer Zeit einfach in die Schrottpresse geschmissen. 9 Jahre? Mein Auto war 17 Jahre alt und es wird wohl noch einmal 10 Jahre mit dem neuen Besitzer Spaß haben. Mein Vater hat mit seinen 1991 neu gekauften Wagen gerade 350.000 km voll gemacht, wegwerfen will er das gute Stück noch lange nicht. Autos werden jetzt zu tausenden einfach verschrottet, obwohl sie noch eine lange Zeit gute Dienste verrichten könnten. Die heutige Generation vernichtet also Werte und refinanziert das einfach auf Kosten unserer Kinder. Und die Autos, die wirklich schrottreif sind? Nun, die würden doch auch ohne diese unsinnige Subvention demnächst ausgetauscht werden…
Und schlussendlich das dritte Dilemma. Die Verschrottungsprämie zerstört den Gebrauchtwagenmarkt. Günstige Autos, besonders bei Fahranfängern und Wenigverdienern beliebt, wird es bald schon nicht mehr geben. Auch der Altautoexport besonders nach Osteuropa und nach Afrika wird in sich zusammenbrechen, wenn die Deutschen ihre Autos gewinnbringender entsorgen als verkaufen können. Vorbei die Zeiten, wo man sich (wie ich früher) für ein paar hundert €uro ein Fahrzeug kaufen konnte um es danach wieder herzurichten.
Die vermeintlichen ökologischen Vorteile wurden schon vielfach wiederlegt. Mitnahmeeffekte werden provoziert und Märkte kaputt gemacht. Ich fordere deshalb die Bundesregierung auf, diese sinnlose Subvention der Autoindustrie sofort wieder zu streichen und sich in Zukunft von so einem Blödsinn zu distanzieren.

















Januar 20th, 2009 um 18:48
Diese Abwrackprämie ist sowas von GRUNDFALSCH , dass es gar nicht mehr “fälscher” gehen kann…. Wer das Gegenteil behauptet hat einfach gar nichts verstanden, weder von Ökonomie, noch von Ökologie….
Januar 21st, 2009 um 04:10
Noch ein wichtiger Aspekt:
Diese Abwrackprämie würgt das Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern ab. Die, uns besonders deren Bevölkerung ist dringend auf den Import von günstigen Altautos angewiesen. Nicht wenige Fahrzeuge laufen tatsächlich weit über 500 000 km – tadellos. Wenn der Staat jetzt anfängt das Vernichten dieser Autos zu subventionieren kommt das einem Embargo auf Fahrzeuge für die Entwicklungsländer gleich. Und das ist für die so schädlich, wie für uns, wenn die OPEC-Länder plötzlich eine Verbrennungsprämie für ÖL einführen würden.
Januar 21st, 2009 um 15:23
Oh ja Freunde der Sonne, Umweltpolitisch ist dies einfach nur sehr traurig. Ich wusste gar nicht, dass wir durch mehr „Schrott Förderaktionen“ die Umwelt entlasten. Ich dachte immer in der Entsorgungspolitik ist das erste Ziel die Vermeidung von Abfall. Komisch das Herr Gabriel hier nichts sagt. Eigentlich müsste das BMU doch aufschreien.
Kurz gesagt kommt am Ende wirklich mehr Entlastung für Umwelt raus. Dies ist wohl sehr unwahrscheinlich. Jedenfalls nicht mit diesem Kurs.
Aber zur Sicherheit werden Frau Merkel und Herr Gabriel die Eisberge nochmals besuchen, damit ist das Problem ja „gelöst“.
Muss das neue Auto eigentlich weniger Schadstoff abgeben als das alte? Den wenn beide Schadstoffklasse 4 sind, so gibt es dort auch unterschiede, bei den Ausstoß des Schadstoffes.
Na ja die Schrotthändler wird es freuen. Die Vernunft der großen Kollation scheint dagegen wieder mal sehr fraglich zu sein.
Januar 22nd, 2009 um 13:11
Hallo,
aus unserer Sicht ist es noch wichtig zu erwähnen, dass die Abwrackprämie sowieso entbehrlich ist. Halten wir uns vor Augen, was die Prämie erreichen soll: Autofahrer, die ein mindestens 9 Jahre altes Auto fahren, sollen – zur Förderung der Automobilwirtschaft – 2500 € Verschrottungsprämie erhalten. Ein erstes Problem ist, dass dies nur für Autos zutrifft, die einen Wert von unter 2500 € haben, denn sonst würde man sein Auto verkaufen, statt es verschrotten zu lassen.
Auch kann es sich lohnen, den Wagen nicht verschrotten zu lassen, sondern beim Neuwagenkauf in Zahlung zu geben, da hier oft Ermässigungen erreichbar sind, die über dem Marktwert des Gebrauchtwagens liegen. Wenn jemand ein Auto fährt, das diese Kriterien erfüllt, so hat das einen Grund, der zumeist darin liegt, dass diese Autofahrer nicht so viel Geld verdienen, dass sie sich regelmäßig ein modernes Auto leisten können. Weiterhin herrscht in einer Wirtschaftskrise das Phänomen des Angstsparens, die Bürger – gerade Geringverdiener – haben Angst um ihren Arbeitsplatz und werden sich kaum einen teuren Neuwagen kaufen, für den sie sich möglicherweise verschulden (auch ein Renault Twingo mit einer Emission von 130 g/km kostet mindestens 9.690 € [quelle: renault.de]). Deshalb halten wir die Abwrackprämie für einen „Mitnahmeeffekt“, den nur wenige Leute in Anspruch nehmen, die sich aber wahrscheinlich auch ohne Abwrackprämie ein neues Auto gekauft hätten.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass man diese 2500 € auch erhält, wenn man sich einen französischen oder asiatischen Wagen kauft, was der deutschen Automobilindustrie nichts bringt.
Aufgefallen ist uns auch ein kleiner Rechenfehler: die 300.000 Neuwagen – für die jeweils eine Prämie von 2500 € fällig wird – kosten somit nicht 1,5 Mrd., sondern 750 Mio. 1,5 Mrd. werden dagegen nur fällig, wenn 600.000 Autos gekauft werden. Diese Summe hält allerdings selbst die Bundesregierung für unrealistisch, was zeigt, wie wenig überzeugt die Bundesregierung von ihrer eigenen Maßnahme ist.
In Anbetracht der in den Konjunkturpaketen 1 und 2 beschlossenen Summen fällt die Abwrackprämie auch kaum ins Gewicht, sodass eine kritische Durchleuchtung anderer Teile wünschenswert ist.
Wir weisen zum Schluss darauf hin, dass wir genau wie der Landesvorstand die Abwrackprämie als falsch ansehen und dem Blog-Eintrag inhaltlich zustimmen. Allerdings bitten wir darum, dass auch die äußere Form des Textes nicht vernachlässigt wird. Wenn man an der Uni eine Seminararbeit abgibt, in der der Dozent schon auf der ersten Seite sprachliche Mängel findet, dann korrigiert er das gar nicht fertig. Wie sollen wir verlangen, dass Leute, die den Blog freiwillig besuchen, unter diesen Umständen noch weiterlesen.
PS: Wer sich eine klimatisierte Garage und ein Liebhaberauto leisten kann, dem wird es an Geld nicht mangeln und 2500 € werden für denjenigen keine Rolle spielen. Es ist außerdem sehr unglaubwürdig, dass jemand ein Liebhaberauto für 2500 € verschrotten lässt. Ganz abgesehen davon ist eine klimatisierte Garage sicherlich kein Beitrag zum Klimaschutz.
Alexander Kirbach, Constanze Roth, Raffaela Bubendorfer, Nikolas Verhoefen
Januar 22nd, 2009 um 14:13
Es handelt sich nicht um einen Rechenfehler. 1,5 Milliarden hat die Bundesregierung veranschlagt. Das reicht für ca. 600.000 Autos. Die Bundesregierung erwartet, dass 300.00 Neuwagen durch die Prämie verkauft werden. Auch wenn die unvorstellbare Summe von 1.500.000.000 € wohl nicht ganz ausgegeben wird, ist es, da werdet ihr mir Recht geben, ein Musterbeispiel sinnfreier Geldverbrennerei…
Januar 22nd, 2009 um 14:38
lieber stefan,
dass es sich hierbei nicht um einen Rechenfehler geht, ist uns auch klar. Nur nennst Du in Deinem Artikel zunächst die erwartete Inanspruchnahme von 300.000 Fahrzeugen (die alleine uns schon aus genannten Gründen zu hoch vorkommt) und setzt diese dann weiter unten zu den Kosten der doppelt(!) so hohen Obergrenze in Relation.
Ich bin nicht der Meinung, dass man auf diese Art und Weise Ängste schüren oder polemisieren sollte. V.a. nicht bei einem Thema, bei dem es genug sachliche Kontrapunkte gibt.
Grüße Niko und Constanze
Januar 22nd, 2009 um 15:44
Lieber Nikolas,
im oben verlinkten Artikel von Tagesschau.de (aus dem Stefan die Zahl 300 000 Neuwagenkäufe hat) steht Folgendes:
“Die Bundesregierung plant dafür ingesamt 1,5 Milliarden Euro. Mit dieser Summe können maximal 600.000 Prämien bezahlt werden. Wenn das Geld verteilt ist, ist Schluss – spätestens am 31. Dezember. Fachleute rechnen damit, dass die Prämie in diesem Jahr den Kauf von rund 300.000 Neuwagen zusätzlich auslöst.”
=> 300 000 Neuwagen und 0,75 Mrd. werden ganz bewusst schon als Mitnahmeeffekt eingebucht, da sie sowieso stattfinden würden. Die Bundesregierung prognostiziert aber eine Verdopplung dieser Zahl durch den Effekt der Abwrackprämie, also noch mal 300 000 zusätzliche Neuwagen. Daher kommen die restlichen 0,75 Mrd, die uns in Summe auf die veranschlagten 1,5 Mrd. bringen.
Du schreibst “Ich bin nicht der Meinung, dass man auf diese Art und Weise Ängste schüren oder polemisieren sollte.”
=> Das hat Stefan folglich nicht gemacht, die Kritik ist also unbegründet.
Viele Grüße
Matthias
Januar 22nd, 2009 um 15:56
Matthias,
da hast Du durchaus Recht. Nur werden die wenigsten Leser sich die Mühe machen und jede Verlinkung lesen. Für einen solchen Leser entsteht nunmal der Eindruck, dass Stefan 2 nicht zueinander passende Werte vergleicht. Es würde ja reichen, 3 Worte mehr zu schreiben, um das unmissverständlich darzustellen. Aber das ist sicher auch nicht der Hauptpunkt unseres Kommentars.
Grüße Niko
Januar 22nd, 2009 um 16:23
Hi Nikolas,
dann haben wir das ja hiermit geklärt
VG
Matthias
Januar 23rd, 2009 um 10:25
Hallo,
meines Erachtens ist die derzeitige Krise kein Grund zum Polemisieren, wie es teilweise Herr Siegle tut.
Wichtig ist, dass die Autoindustrie derzeit massive Probleme hat (die sie allerdings mangels kundenfreundlicher Innovationen selbst mitverursacht) und hier auf Sicht vermutlich viele Arbeitsplätze (auch in der jüngeren Generation) verloren geht. Von daher können Hilfen für die Autoindustrie durchaus allen Vorteile bringen. Wieweit die Abwrackprämie dazu gehört??
Unbestritten ist für mich, dass die Abwrackprämie auf Sicht wenig bringt (obwohl derzeit ja angeblich schon viele Neuwagenbestellungen wg. der Prämie ausgelöst wurden – wieweit diese Bestellungen auch ohne Prämie bestellt worden wären, lässt sich ja leider kaum prüfen). Die Autoindustrie wird diese Prämie bei Ihren Rabattaktionen sicher mit einbeziehen und eventuell weniger Rabatte einräumen (s.a. die Argumentation bei Eigenheimzulage usw.). Insofern verpufft der Effekt oder kommt nicht dem Käufer sondern eher dem Verkäufer zugute.
Das das Geld besser in Forschung und Bildung gesteckt würde, ist sicher vernünftig, wird allerdings wenig kurzfristige Effekte bringen.
Die Verschrottung eines Altautos macht nur Sinn, wenn der Wert eines Altautos deutlich niedriger liegt als die Abwrackprämie, d.h. Mitnahmeeffekte durch “Liebhaberfahrzeuge in klimatisierten Garagen” spielen hier wohl kaum eine Rolle.
In einer globalisierten Welt können keine Aktionen mehr gestartet werden, die nicht auch Effekte im Ausland haben. Diese Argument schließt sich von daher selber aus.
Wenn wir die Bereitschaft haben bis zu 500 Mrd. € für die Banken bereitzustellen, die die Krise schließlich ganz wesentlich mitverursacht haben, sollten 1,5 Mrd. € (=0,3% von 500 Mrd. €!!), soweit sie sinnvoll angelegt werden, vergleichsweise leicht zu akzeptieren sein. zu den Bankensubventionen hört man in unserer Partei derzeit relativ wenig kritische Worte. Und ein Großteil der Verursacher/Zocker sonnt sich immer noch auf gutbezahlten Positionen.
Last not least: Das Argument, dass der jungen Generation immer mehr Verbindlichkeiten von der älteren Generation aufgebürdet werden, ist sicher richtig. Wir sollten aber nicht ganz vergessen, dass die junge Generation durchaus auch Vorteile aus einer, wie gesagt, sinnvollen Aktion hat. Schließlich leben auch die heutigen Kinder von den Arbeitseinkommen der “älteren Generation”. Und von Arbeitseinkommen zu leben ist sicher sinnvoller, als später Sozialleistungen, Hartz IV wg. zunehmender Arbeitslosigkeit zu finanzieren. Diesen auch für die junge Generation wichtigen Aspekt sollte man nicht ganz aus den Augen verlieren. Ein Ausspielen der Interessen “alt gegen jung” ist in einer solchen Krise wenig hilfreich.
WIchtiger wäre mir, dass sichergestellt wird, dass die, die heute Vorteile aus den Subventionen ziehen (ob Banken, Autoindustrie oder Privatmann/frau) in besseren Zeiten, die heute aufgebauten Schulden beschleunigt zurückzahlen. Dieses Konzept fehlt mir bei der Bundesregierung.
Gruß
Peter Verhoefen
Januar 23rd, 2009 um 13:40
Wo wird denn hier polemisiert?
Lieber Peter,
ich muss dir in vielen Punkten wirklich wiedersprechen, du kannst nicht alle sehr gute, belegbare, relevante und stichhaltige Kontra-Argumente einfach so vom Tisch wischen. Besonders das Totschlagargument Arbeitsplätze ist hier völlig falsch am Platz. Ein kaputtes Unternehmen subventionieren bedeutet immer, dass man die anderen aufstrebenden innovativen Unternehmen um ihren Markterfolg betrügt. Die Pfuscherei von Seiten des Staates führt dazu, dass wir weiter freudig auf toten Pferden reiten. Es geht jetzt darum nicht nutzlose Arbeitsplätze zu erhalten, sondern neue Arbeitsplätze zu schaffen. Und die ganzen Zukunfts-Zerstörungs-Pakete verhindern genau das. Gäbe es uns Menschen heute, wenn die Amöben vor Millionen Jahren einfach die Evolution abgeschafft hätten?
Und was die kommenden Generationen mit ihren Steuergeldern machen wollen, dass lassen wir die doch lieber selbst entscheiden, nicht wahr?
Liebe Grüße,
Peter
Februar 8th, 2009 um 21:06
http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,606068,00.html
März 30th, 2009 um 11:43
Jetzt werden viele Kleinwagen gekauft, deren Käufe dann nicht als Gebracuhtwagenkäfer größerer Wagen auftreten können – also gehen insgesamt die Absätze der Autoindustrie vielleicht sogar zurück.
Die meisten neuen Gebrauchtwagenkäufer waren es auch bislang nicht gewohnt, Konsumkredite aufzunehmen. Zweierlei kann passieren:
a) Die Käufer gewöhnen sich an das Schuldenmachen, kaufen in 1-2 Jahren mal wieder und dann immer öfter auf Pump und haben in 10 Jahren dann echte Probleme
b) Die Käufer bleben solide, sparen die 5000-8000 Euro für das neue Importauto (nach Abzug der Prämie) im nächsten Jahr bei anderen Konsumausgaben ein, und beschhleunigen damit die Rezession im Inland.