Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen – Liberale Bildungspolitik in Bayern

Präambel

Eines der wichtigsten Politikfelder, die maßgeblich in der Kompetenz der Bundesländer zu finden sind, ist zweifelsohne die Bildungspolitik. Der Freistaat Bayern sonnt sich dabei nur allzu gern im eigenen Glanz ˈ PISA-Studien bescheinigen immer wieder, dass der Bildungsgrad der Schüler hier innerhalb Deutschlands mit Abstand am höchsten sei. Trotzdem und zum Teil auch gerade deswegen gibt es zahlreiche Änderungsmöglichkeiten: Das hohe Bildungsniveau erlaubt der bayerischen Bildungspolitik, sich auf die Flexibilisierung der Schulen und größtmögliche Eigenverantwortung zu konzentrieren. Um das hohe Niveau bayerischer Bildung zu erhalten und auszubauen, ist eine Modernisierung von Schulsystem und Lehrerausbildung dringend nötig. Mit der FDP in der Landesregierung besteht die Chance, alte und immer gleiche Vorgehensweisen zu verändern, um Bayerns Schulen zukunftsfähig zu machen. Wer nicht danach strebt, sich ständig zu verbessern, wird sehr schnell nicht mehr Erster sein. Die Jungen Liberalen Bayern stellen hiermit zentrale Forderungen zur Bildungspolitik auf. Sie sind getragen vom Wunsch nach der eigenverantwortlichen Schule, vielen Entscheidungsmöglichkeiten für Schüler und Schulen und dem Wunsch nach Kontinuität in der Bildung eines jungen Menschen. 

In Art. 129 Absatz 1 der Bayerischen Verfassung ist die allgemeine Schulpflicht geregelt. Die Jungen Liberalen Bayern stehen zur allgemeinen Schulpflicht und verwehren sich gegen die Legalisierung alternativer Modelle, wie dem sogenannten Homeschooling. Auch wenn das staatliche Schulsystem nicht immer optimale Leistungsergebnisse erzielen kann, so ist die Schule als Raum der Sozialisation für Kinder ein wichtiger Anker im Leben. Zudem stellt der Schulbesuch sicher, dass Kinder ein Grundlevel an Bildung vermittelt bekommen und keine Selektion von Lerninhalten stattfindet. Um die nötige Flexibilisierung zu erhalten soll stattdessen die Möglichkeit der Gründung von Privatschulen auf Grundlage verschiedener pädagogischer Ansätze ermöglicht werden. 

Die Jungen Liberalen Bayern befürworten die grundsätzliche Beibehaltung des dreigliedrigen Schulsystems in Bayern. Es stellt die sinnvollste und gerechteste Möglichkeit dar, jungen Menschen einen Schulabschluss zu ermöglichen. Vereinzelt kann es jedoch Sinn machen, Kooperationen der verschiedenen Schulformen anzustreben, dies muss jedoch von Schule zu Schule bzw. von Region zu Region selbst entschieden werden. Um einen stärkeren Praxisbezug an Realschulen zu schaffen, fordern wie stattdessen die Schaffung von P-Klassen an Realschulen. Diese sollen bei Bedarf auch mit den Beruflichen Schulen operieren können. Um den Übergang vom M-Zug an Mittelschulen zum Gymnasium nach der 10. Klasse zu erleichtern, sollen die Möglichkeiten, in der M-Zug an Mittelschulen mehr als eine Fremdsprache zu erlernen, ausgebaut werden, da dies zumeist Voraussetzung für den Eintritt in die gymnasiale Oberstufe ist. Dies soll aber freiwillig und nicht als Pflicht ausgestaltet werden. 

Keine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium! 
Die Jungen Liberalen Bayern stehen zur Einführung des G8 an bayerischen Gymnasien. Nach dem Vorbild anderer Bundesländer nachträglich Ausnahmetatbestände zu schaffen, um diese Regelung aufzuweichen, halten wir nicht für sinnvoll. Inzwischen ist als ein Lösungsvorschlag für die Probleme des G8 eine neue Idee aufgekommen: Das sogenannte Flexibilisierungsjahr soll Schülern in der Mittelstufe ermöglichen, statt dem klassischen „Sitzenbleiben“ in einem zusätzlichen Schuljahr gezielt Problemfächer zu wiederholen und so den noch nicht ausreichend begriffenen Stoff zu vertiefen. Die Jungen Liberalen Bayern sprechen sich für die Rückkehr zum Kurssystem der gymnasialen Oberstufe aus und fordern die Wiedereinführung von Grund- und Leistungskursen. Sowohl das Aufbrechen des starren Klassensystems als auch die Spezialisierung bei der Leistungskurswahl werden besser den individuellen Interessen der Schüler gerecht. Diesem Vorschlag treten die JuLis Bayern entschieden entgegen. Unabhängig von der konkreten Ausgestaltung wird der Schüler durch ein zusätzliches Jahr, in dem er sich noch mehr mit ohnehin verhassten Fächern auseinandersetzen soll, demotiviert. Zudem ist ungeklärt, ob in den Fächern, die der Schüler gut beherrscht, der Unterricht im Flexibilisierungsjahr „ruhen“ soll, ob alter Stoff wiederholt oder neuer hinzukommen soll. Auch die Kapazitäten, für mehrere Schüler jeweils individuelle „Flexibilisierungsjahrpläne“ zu erarbeiten und durchzuführen, dürfte die allermeisten Schulen im Freistaat unnötig Überfordern. Die Jungen Liberalen Bayern befürworten das Konzept des Vorrückens auf Probe und setzen sich für eine verstärkte Anwendung und bessere Bewerbung dieses Prinzips ein. 

Mehr empirische Forschung in der Bildung 
Grundsätzlich lehnen die JuLis Bayern große Systemreformen im Sinne von vorgeschriebenen Strukturen in Schulbereich ab. Falls Bildungsreformen durchgeführt werden, sollen die geplanten Veränderungen zuvor an Modellschulen getestet werden. Dies wird zum Teil bereits gemacht, eine detailgenaue Ergebnisanalyse und empirische Auswertung fehlt aber meist noch. Gerade diese ist aber wichtig, um eine Reformidee zunächst zu evaluieren, ehe ihre Folgen direkt mehrere Millionen Schüler im Freistaat treffen und Probleme erst später erkannt werden. 

Die derzeitige Zuständigkeit für die frühkindliche Bildung liegt beim Sozialministerium. Um den Herausforderungen auch dieser Bildung gerecht zu werden, fordern die JuLis eine Verlagerung der Kompetenzen hin zum Bildungsministerium. Eine Akademisierung bereits der frühkindlichen Erziehung lehnen die Jungen Liberalen Bayern ab. Die Verpflichtung einzuführen, dass in jeder Kindertageseinrichtung mindestens eine akademisch ausgebildete Person arbeiten muss, halten sie für unnötig. Vielmehr geht mit dieser Forderung eine Abwertung der klassischen Erzieherausbildung einher, in der pädagogische Inhalte ebenfalls vermittelt werden. 

Einschulung 
Die Jungen Liberalen Bayern fordern einen verpflichtenden Einstufungstest ein Jahr vor Beginn der Grundschule mit stärkerem Fokus auf sprachliche Kompetenzen. Sollte der Test negativ ausfallen und das Sprachniveau des Kindes für eine Einschulung noch nicht gut genug sein, so erhält das Kind im letzten Kindergartenjahr und ggf. während der Grundschule eine verstärkte Sprachförderung. Zudem soll das mögliche Eintrittsalter für die Grundschule flexibilisiert werden. Es soll sich an den individuellen Bedürfnissen des Kindes orientieren statt starren Stichtagsregelungen zu folgen. Die JuLis halten hier eine Alterspanne zwischen 5 und 7 Jahren für angemessen, sodass grundsätzlich kein Kind vor seinem 5. oder nach seinem 8. Geburtstag eingeschult werden soll. 

Abschaffung der „Schulsprengel 
Die sogenannten „Schulsprengel“, mit denen die schulpflichtigen Kinder in Bayern einer allgemeinbildenden Schule zugeteilt werden, ist zugunsten eines „Sprengelrechts“ zu ersetzen. Den Eltern soll die Möglichkeit gegeben werden, ihr Kind in die allgemeinbildenden Schulen zu schicken, die ihnen am besten für ihr Kind erscheint, jedoch hat das Kind an der Sprengelschule einen sicheren Schulplatz. 

Die Jungen Liberalen Bayern sehen die Ganztagsschule nicht als Allheilmittel an. Ein verpflichtendes Ganztagsangebot für alle Schulen in Bayern lehnen wir daher ab. Ein solches Angebot muss sich vielmehr am individuellen Bedarf vor Ort orientieren. Daher soll jede Schule die Möglichkeit haben, sich bei entsprechender Nachfrage auf ein Ganztagsangebot umzustellen. Die Ausgestaltung des Tagesrhythmus soll dabei gänzlich bei den Schulen selbst liegen. Eine verpflichtende Mindestaufenthaltszeit pro Tag lehnen die JuLis Bayern ab. Ein solches Ganztagsschulkonzept ist zukunfts- und wettbewerbsfähig. 

Die JuLis Bayern fordern daher die grundlegende Vermittlung des politischen Systems Deutschlands, der Prinzipien von Demokratie um Rechtsstaatlichkeit in allen Schulen zumindest in Grundzügen. 

Als Grundlage für eine gute Ausbildung der Schüler in Bayern ist eine solide und zielgerichtete Ausbildung der Lehrer unumgänglich. Als Problem erweist sich in den letzten Jahren jedoch die zu große Zahl von Lehramtsstudenten und Referendaren, die den Bedarf an neuen Lehrern in Bayern weit übersteigt. Diesem Problem wollen die Jungen Liberalen Bayern entgegenwirken. 

Reform der Lehramtsstudiengänge 
Aufgrund des Überangebots an jungen Lehrern in Bayern ist es besonders wichtig, dass das Lehramtsstudium auch für andere Berufsbilder als den klassischen Lehrer qualifiziert. Die JuLis sind der Meinung, dass sich das derzeitige Modell der bayrischen Lehramtsausbildung bewehrt hat und wollen daran festhalten. Das bisherige System ermöglicht es bereits an manchen Universitäten, dass die Studierenden durch die Belegung von zusätzlichen Veranstaltungen einen vollständigen Fachbachelor erwerben, sodass sie auch außerhalb des Lehrbetriebs arbeiten können. Diese Möglichkeit muss flächendeckend eingeräumt und gefördert werden. Auch die Möglichkeit, einen fachlichen Masterstudiengang abzuschließen, muss geschaffen werden. Dem Mangel an Lehrern vor allem in den MINT-Fächern kann nach Ansicht der JuLis Bayern auch durch vermehrte Nutzung von Quereinsteigern begegnet werden. Ein viersemestriger Masterstudiengang, wie er zum Teil bereits angeboten wird, soll die ausreichenden pädagogischen Grundlagen schaffen. Dabei ist insbesondere darauf zu achten, dass keine bürokratischen Hindernisse der Ergreifung des Lehrerberufes entgegenstehen. Um angehende Lehrer schon frühzeitig mit dem Pädagogenalltag bekannt zu machen, halten die Jungen Liberalen Bayern ein Praxissemester im Bachelorstudiengang für angemessen. Während diesem soll der Bezug von BAföG weiter möglich sein. 

Reform des Lehramtsreferendariats 
Die JuLis fordern, die Vergabe von Referendariats-Plätzen für angehende Lehrer zu reformieren: Sie sollen zukünftig bedarfsgerechter eingestellt werden. Das zuständige Bildungsministerium soll dafür vor jedem neuen Antrittstermin bei allen Schulen in Bayern abfragen, wie viele Referendare diese betreuen wollen, gerade auch im Hinblick auf eine mögliche dauerhafte Beschäftigung der jungen Lehrer nach Abschluss des Referendariats. Diese Bedarfsliste ist dann zu veröffentlichen, sodass die angehenden Referendare sich direkt auf eine Stelle an der Schule ihrer Wahl bewerben können und ihre Chancen sofort selbst abschätzen können. Das undurchsichtige und bürokratische Verfahren, nach dem momentan vorgegangen wird, ist nicht weiter tragbar. Einen garantierten Referendariats-Platz in Bayern für alle Absolventen lehnen die JuLis ab. Die JuLis Bayern setzen sich zudem für die Abschaffung der Verbeamtung der Lehrer ein. Diese verhindert jegliche Flexibilisierung im Lehrbetrieb ebenso wie Wettbewerb der Lehrer untereinander, der zu einer Verbesserung der Lehre führen könnte. 

Weiterbildung und Spezialisierung von Lehrern 
Die Herausforderungen an Lehrer werden nicht nur immer größer, sondern auch immer verschiedener, abhängig von Ort und Art der Schule, an der sie arbeiten. Weder das Lehramtsstudium noch das Referendariat können den Bedarf an Spezialkenntnissen abdecken. Deshalb sollen nach Ansicht der Jungen Liberalen Bayern regelmäßige und verpflichtende Fortbildungsmaßnahmen durchgeführt werden. Gerade Themen wie Inklusion, Umgang mit schlechten Sprachkenntnissen, notorischen Schulschwänzern oder Perspektivlosigkeit der Schüler können und müssen pädagogisch und psychologisch aufbereitet werden, damit Lehrer an ihrer Schule sinnvoller auf die Schüler eingehen können.


Gültigkeit: 10 Jahre


Antragsteller: Landesvorstand