Juleo 2/2018 – Fintechs

Fintech

Der Begriff „FinTech“ setzt sich aus der Bezeichnung „Financial Technology“ zusammen, ist allerdings rechtlich bisher nicht definiert worden. FinTechs bieten zumeist Lösungen für Privat- oder Firmenkunden, mit dem Ziel traditionelle Finanzintermediäre (primär in den Bereichen Zahlungsverkehr, Vermögensverwaltung oder Vergabe von Krediten) zu ersetzen.

Insbesondere das Jahr 2008 brachte die Entwicklung der FinTechs ins Rollen. Die globale Finanzkrise, deren Folgen und die damit einhergehende, überwiegend negative Berichterstattung über den Finanzsektor verschlechterten dessen gesellschaftliches Standing massiv. Industrie-Experten und Kunden begannen die Zukunft des traditionellen Bankings zu hinterfragen und die Branche befand sich an einem Wendepunkt. FinTechs sind dabei Vorreiter im Rahmen der Weiterentwicklung und Verbesserung von Finanz-Tools, die zuvor von Banken kontrolliert wurden. Überweisungen oder Vermögensverwaltung – früher schwerfällige und oftmals nervende Verfahren – weisen mittlerweile nutzerfreundlichere Oberflächen auf, nicht zuletzt deshalb weil zahlreiche Unternehmen stetig daran arbeiten, attraktivere Alternativen zu entwickeln.

Seit ihrem nunmehr zehnjährigen Bestehen hat Financial Technology die Banken- und Finanzindustrie stark verändert und dabei einen Wandel hin zu mehr Digitalisierung forciert, dem sich traditionelle Unternehmen aus der Branche nicht mehr entziehen können. Zugleich drängen zahlreiche innovationsgetriebene Unternehmer auf den Markt, die sich in den letzten Jahren über großzügige Finanzierungsrunden freuen konnten.

Mit Investitionen in Höhe von knapp 60 Milliarden US-Dollar hat die FinTech-Branche bereits im ersten Halbjahr 2018 das Volumen des Gesamtjahres 2017 übertroffen, das immerhin 38,1 Milliarden US-Dollar betrug. Diese Investitionen flossen in 875 Finanzierungen, darunter spektakuläre Transaktionen: das chinesische Fintech Ant Financial konnte beispielsweise 14 Milliarden Dollar einsammeln, dies stellt einen den größten Venture Capital-Deals aller Zeiten dar.

Neben der Optimierung traditioneller Geschäftsfelder aus dem Finanzsektor haben FinTechs auch völlig neue Produkte entwickelt. Wesentliche Beispiele sind in diesem Zusammenhang das Crowdfunding oder die Peer-to-Peer Kreditvergabe. In beiden Fällen können sich Unternehmer oder Verbraucher von einzelnen oder mehreren Privatleuten Geld leihen beziehungsweise einsammeln und sind somit nicht mehr auf das Wohlwollen einer Bank bei der Kreditaufnahme und Finanzierung angewiesen. Im Crowdfunding-Bereich sind hier insbesondere Indiegogo oder Kickstarter zu nennen, bei der Peer-to-Peer Kreditvergabe hat sich Auxmoney in Deutschland einen Namen gemacht. Ein weiterer vielversprechender Bereich ist „Big Data“. Dieser soll die Auswertung gesammelter Daten optimieren und führte zu bedeutenden Veränderungen im Rahmen der Analyse, Datenspeicherung, dem datengestützten Marketing, Cloud-Berechnung und SaaS-Geschäftsmodellen im Finanzbereich. Zudem nutzen sogenannte Robo-Adviser wie Scalable oder Ginmon technische Mittel und Algorithmen um den Investmentprozess zu vereinfachen und somit Vermögensverwaltung kostengünstiger als traditionelle Asset Manager anbieten zu können.

Was den Hype aus deutscher Sicht allerdings etwas trübt, ist der Konsens unter vielen Fintech-Gründern. Demnach seien die besten Voraussetzungen für ihre Geschäfte in Großbritannien, Irland und Frankreich vorzufinden. Deutschland als Fintech-Standort hat folglich noch Luft nach oben. Nicht nur aus diesem Grund sollte sich die Bundesregierung verstärkt darauf konzentrieren, eine innovationsfreudigere Kultur in Deutschland zu etablieren und das Land als Geschäftsstandort für junge Unternehmen interessanter zu gestalten. Der neugegründete Digitalrat der Bundesregierung oder der FinTech-Aktionsplan der Europäischen Bankenaufsicht sind definitiv als Schritte in die richtige Richtung zu verstehen, reichen allerdings mit Sicherheit noch nicht aus, um nachhaltige Veränderungen herbeizuführen. Die deutsche sowie europäische Gesetzgebung sollten zudem darauf achten, den FinTech-Bereich nicht zu einschneidend zu regulieren, um dessen positive Entwicklung nicht unnötigerweise einzuschränken.

Felix Schiller, 24, München